Sarah Jessica Parker, das geklaute Handy und ein Nachmittag der allerfeinsten Sorte

Zuerst mal ein Update aus rein pragmatischen Gründen: Mein deutsches Handy wurde mir am Freitag im Bus geklaut. Doofe Sache, aber naja passiert. Jedenfalls daher nicht wundern, dass auf meiner deutschen Nummer keinerlei Reaktionen mehr kommen, wer meine ecuadorianische Nummer gerne haben möchte, kann mir ja eine Mail schreiben oder meine engsten Freunde oder Familie fragen, die haben die Nummer. Tja, bestimmt fragt ihr euch wie das passiert ist und wisst ihr was, das frage ich mich auch haha. Gewarnt wird man oft genug und man merkt eigentlich auch selber, dass es hier öfter (im Vergleich zu meinem Heimatörtchen in Deutschland) zu Raub und Überfällen kommt, spätestens seitdem Bianca oft der Rucksack im Bus geöffnet wurde, wissen wir, dass man durchaus schnell ausgeraubt werden kann! Und das witzige daran ist, man merkt es wirklich nicht! Ich weiß, jeder sagt das immer und man denkt sich so, man muss doch merken, wenn mir jemand die Tasche öffnet oder den Rucksack aufschlitzt. Also folgende Story des Nachmittags voller Fails:

Angefangen hat alles am Freitagmorgen, als ich aufwachte und plötzlich keinerlei Stimme mehr hatte. In dem Sinne gut, dass ich im Gegensatz zu Bianca zumindest keine Anzeichen von Halsschmerzen hatte, schlecht in dem Sinne, dass sie noch Stimme hatte und ich absolut keine mehr und ein Tag voller Unterricht bevorstand! Im Endeffekt war dann aber alles gut, besonders die Drittklässler hatten ihren Spaß daran, mich die Lieder der morgendlichen Routine mit meiner nicht vorhandenen Stimme in schiefen Tönen vorsingen zu lassen! Der Unterricht am Tag an sich klappte sehr gut und Bianca und ich sind zusammen nach der Schule ins Centro Historico gefahren, da ich einige Briefe abschicken wollte (die übrigens laut der Frau bei Yanapuma bis zu vier Monaten brauchen können, egal in welche Richtung, also sorry schonmal) und wir noch bei Yanapuma schauen wollten, ob Post für uns gekommen sei (ist natürlich aufgrund der vier Monate Regel nicht der Fall). Jedenfalls sind wir dann in einem wie immer absolut überfüllten Bus in die Stadt gefahren – ich will hier nicht übertreiben, aber bei manchen Leuten oder Kindern habe ich wirklich Angst, dass sie beinahe zerquetscht werden! Der einzige Kommentar vieler Busfahrer ist dabei „sigar, sigar“ was soviel wie „weiter weiter“ bedeutet! Also Busfahren macht mir hier zurzeit in den überfüllten Bussen wirklich keinen Spaß, auch wenn Bianca und ich schon mehr als einmal aufgrund der Ironie der Situation absolut lachen mussten, wenn immer noch mehr und mehr Leute in den schon so vollen Bus strömen! Die meisten Leute hier scheinen das aber gewöhnt zu sein, viele verziehen nicht einmal eine Miene, wenn der Bus so voll ist, dass man kaum mehr Luft zum Atmen hat. Aber soviel zu dieser Busfahrt, das Spannende kommt erst später. In der Stadt angekommen machten wir uns auf den Weg zur Post, Porto ist hier wirklich teuer übrigens! (PS: Danke an Mummy, die in Deutschland dann Briefträger für mich spielen darf!) Als wir in der Post ankamen, fing es plötzlich an zu regnen. Das klingt jetzt vielleicht harmlos, aber Regen hier in den letzten Tagen (und voraussichtlich auch in den nächsten Monaten) ist nicht vergleichbar mit dem Regen in Deutschland. Am Freitag jedenfalls gab es von einer Minute zur nächsten einen Wolkenbruch und plötzlich standen alle Straßen unter Wasser. Bianca und ich wollten den Regen ein bisschen in der Post aussitzen und sahen dann unsere Chance, als es kurz nicht mehr ganz so arg regnete. Jedenfalls rannten wir los und voll in den nächsten Wolkenbruch hinein. Und die Straßen standen dann plötzlich wirklich unter Wasser, es bildeten sich regelrecht Flüsse auf der Straße und die Autos schwammen mehr als dass sie noch fuhren – es wundert mich wirklich, dass sie überhaupt noch irgendwie vorangekommen sind! Ich würde euch so gerne Bilder zeigen, leider sind die alle auf meinem deutschen Handy, alias in den Händen von jemand anderem. Wir jedenfalls standen für einige Zeit im Ladeneingang eines Apothekers und im Nachhinein tut es uns wirklich leid, dass wir seinen kompletten Eingangsbereich nass gemacht haben, aber draußen konnte man einfach nicht mehr laufen! Nach einer Weile trauten wir uns dann über die Straße, die eher einem Fluss glich – wir wurden natürlich auch total nass bei dem Versuch über den Fluss zu springen. Zumindest ich landete mitten in der riesigen Pfütze und hatte dann komplett nasse Sachen! Aber das alles war sehr lustig und dann kamen wir irgendwann triefend nass bei der Yanapuma Foundation an, unserer Partnerorganisation hier in Ecuador, wo uns dann erklärt wurde, dass Briefe und Pakete bis zu vier Monaten brauchen können, da das Postsystem hier wohl zurzeit Probleme hat. Naja, also keine Post für uns und wir machten uns auf den Weg zurück nach Hause, um dort in der Nähe noch für den Samstag einzukaufen, da wir mit den anderen Freiwilligen Luca und Leonie und deren Familie nach Mindo gehen wollten. Wir hatten sehr Glück (nicht) bei der Auswahl unseres Busses und landeten in einem sehr überfüllten Bus. Die Regel in den Stadtbussen von Quito: Halte dich möglichst gut irgendwo fest, sonst wirst du auf alle anderen geschleudert und hab deine Wertsachen möglichst gut versteckt in der Handtasche die du direkt vor deinem Körper hälst oder direkt am Körper. Diese Regel befolgen Bianca und ich auch eigentlich immer, natürlich geht es manchmal nicht so gut. Diese Busfahrt war, wie man vielleicht schon dem ersten Satz entnehmen kann, nicht ganz so erfolgreich. Ich kann nur für mich sprechen, da Bianca durch die Menschenmassen am anderen Ende vom Bus stand, aber ich hatte meine kleine Handtasche wie immer direkt an meinem Körper, mein deutsches Handy in der mit Reisverschluss verschlossenen Innentasche. Naja hat nichts genützt haha. Ich bin sehr froh, dass ich sonst nichts wertvolles dabei hatte. Jedenfalls war der Bus voll und irgendwann kamen wir an der Station an, an der wir aussteigen wollten und mussten uns irgendwie durch die Menschen drängen, um zur Tür zu kommen. Also bat ich höflichst darum, vorbei gelassen zu werden und das klappte auch ganz gut, bis kurz vor der Tür irgendwas an meiner Tasche zog, sodass sie nicht mehr direkt vor meinem Körper war. Bevor ich irgendetwas verstehen oder reagieren konnte, war ich schon mitsamt meiner nun leider offenen und leeren Tasche draußen aus dem Bus und die Türen schlossen sich hinter mir, mitsamt Bianca im Bus, die es leider nicht mehr geschafft hatte, auszusteigen. Tja, also Handy weg und Bianca verloren. Natürlich habe ich mich kurz darüber aufgeregt, aber so etwas kann passieren und Bianca habe ich dann auch sehr schnell wiedergefunden, sodass alles gut war! Danach waren wir (etwas frustriert) einkaufen, sodass etwas mehr Knabberzeug als sonst Teil des Einkaufes war und abends machten wir uns einen schönen Mädelsabend, nachdem wir auch nicht mehr frustriert waren!

So viel zum Nachmittag voller Fails. Das klingt jetzt vielleicht etwas dramatischer alles, als es eigentlich war, im Nachhinein ist es mehr als lustig und so wichtig ist ein Handy jetzt ja wirklich nicht! Ansonsten war die letzte Schulwoche und das letzte Wochenende sehr gut, letzte Woche haben wir für die ganze Familie Pizza gebacken, wobei man davon wahrscheinlich auch für drei Tage satt hätte werden können, da wir uns minimal in den Mengen verschätzt hatten! Unsere Gastschwester Valeria ist seit letzter Woche zu Besuch in Deutschland und kauft dort auch Schulsachen für die Schule ein, wodurch ich auch die Ehre hatte, meinen ersten hochoffiziellen Job im Namen der Schule zu erledigen! Die Schule läuft immer noch sehr gut, auch wenn meine Stimme die letzten Tage nicht vorhanden ist, so würde ich doch sagen, dass die Schüler mich inzwischen selbst ohne Stimme genug respektieren und akzeptieren, dass trotzdem Ruhe in die Klassen einkehrt und es macht mir wirklich, wirklich Spaß mit den Schülern zu arbeiten! Zurzeit bespreche ich mit der Oberstufe Feiertage in Ecuador, USA und Deutschland im Vergleich und habe dadurch glaube ich endlich ein Thema gefunden, was sie genug interessiert, dass sie tatsächlich Englisch reden! Ich hatte auch schon eine recht lustige Situation mit einem der Sportlehrer, da er immer eines der Kinder aus einer Kindergartengruppe abholt und ich dachte, dass es sein Sohn sei (der sehr klug ist, er kann wirklich schon fast alle Farben und Tiere auf Englisch und ist gerade mal 3 Jahre alt!) und wollte ihm ein Lob für seinen Sohn aussprechen – bis sich herausstellte, dass es gar nicht sein Sohn ist – upsii. Ach und eine andere Sache ist zurzeit noch Thema in der Schule: ein kleiner schwarzer CD-Player ist verschwunden und wird zurzeit sehr aufwendig gesucht. Ich hoffe mal, dass dieser CD-Player bald wieder auftaucht. Aber ansonsten läuft in der Schule wirklich alles glatt, ich könnte bisher nicht glücklicher über das Projekt sein! Ach ja, einen neuen Stundenplan haben wir auch mal wieder bekommen, wurde so langsam ja auch Zeit! Nein Spaß, es ist nur recht witzig, dass der Stundenplan so oft gewechselt wird – der vierte innerhalb von fünf Schulwochen, den wir jetzt haben – er ist aber wie immer sehr human und gut! Und am Donnerstag im Kräutergarten haben wir auch einen baldigen neuen Freiwilligen kennengelernt, der mit seiner Mutter, die Geld für ein Kind aus der Schule spendet, aus Frankreich zurzeit zu Besuch da ist und wie es aussieht für drei Monate am INEPE bleiben wird, um in Mathe und Physik auszuhelfen, da er dies in Frankreich studiert hat. Er wirkt sehr nett und wusste aber noch nicht genau, in welcher Familie er leben wird, er meinte nur, dass er glaubt auch in der Direktorsfamilie zu wohnen – da bin ich mal gespannt, ob wir ihn hier morgens plötzlich am Esstisch sitzen sehen! Ab November sind auch zwei weitere Kurzzeitfreiwillige aus Spanien da, die für zwei Monate bleiben und Bianca und mir wohl wie es aussieht in den Englischstunden behilflich sein werden, ich habe mit beiden schon Kontakt aufgenommen, sie sind (genau wie der andere Freiwillige) Mitte zwanzig und wirken sehr, sehr nett! Ich bin sehr gespannt auf die Kurzzeitfreiwilligen und freue mich schon darauf!

Am Samstag morgen sind Bianca und ich sehr früh aufgestanden, da wir mit Luca und Leonie, den anderen beiden Freiwilligen in Quito über den Tag nach Mindo fahren wollten. Mindo ist ein Ort circa drei Stunden nördlich von Quito und schon einiges urwaldmäßiger als Quito. Netterweise hatte die Familie von Luca und Leonie uns angeboten, mit uns dort hinzufahren, sodass wir morgens um 6.30 Uhr von der ganzen Familie in einem Kleinbus abgeholt wurden. Die Familie hat drei Kinder, die wirklich zuckersüß sind und sind generell sehr nett! Als wir nach drei Stunden Fahrt in Mindo ankamen, holten wir uns erst einmal Informationen darüber ein, was man dort alles machen kann – viel zu viel für einen Tag, sodass wir beschlossen haben, auf jeden Fall nochmal für ein ganzes Wochenende dorthin zu fahren! Im Endeffekt entschieden wir uns alle dazu, ein Stück zu Wasserfällen zu laufen, an denen man baden konnte. Also packte die Familie ihr aufwendig bereitetes Picknick in Töpfen aus, das wir den Berg herunter tragen mussten – die Familie hat sich bei dem Essen selber übertroffen, es gab alles von Mais, Kartoffeln bis zu Salat und Käse (das nenne ich ein Picknick!). Unten am Wasserfall angekommen, gingen wir dann mit einem netten Mann, der uns einweisen wollte, direkt ins Wasser. Er führte uns barfuß einen steilen Weg durch Blätter und Steine hindurch, bis wir an einem Felsvorsprung ankamen, von dem wir ins Wasser springen durften- auch wenn das Wasser extrem kalt war, so war es doch richtig cool! Generell war der Tag sehr interessant, da die Familie von Leonie und Luca indigen geprägt ist und uns so der Großvater zum Beispiel erklärte, dass wir Steine suchen und dem Fluss geben sollten, bevor wir baden gehen, damit die Spirits nicht gestört werden. Das fand ich echt interessant und nachdem wir dem Fluss einen Stein gegeben hatten, badeten wir erst einmal ausgiebig darin! Nachdem wir dann auch noch das Festmahl gegessen hatten, liefen wir den steilen Berg wieder hoch (das war dann auch genug Sport für den Tag) und fuhren mit dem Auto wieder zurück nach Quito. Auf dem Rückweg machten wir noch beim Mitad del Mundo halt, da Luca und Leonie dort noch nicht waren und fuhren danach dann wieder nach Hause. Der Gastvater hat sich im Auto sehr nett mit Bianca und mir unterhalten und meinte dann mitten in der Unterhaltung plötzlich zu mir: Du siehst übrigens aus wie Sarah Jessica Parker! Hahaha, ja also anscheinend habe ich sehr Ähnlichkeiten mit dieser berühmten Schauspielerin und von da an wurde ich von ihm für den Rest des Weges nur noch Sarah Jessica gerufen!

Abends fuhren wir dann noch nach Mariscal und hatten bei uns im Viertel ein interessantes Erlebnis, bevor ich jetzt beschreibe was dort war, möchte ich nochmal darauf hinweisen, dass das alles nur meine subjektiven Eindrücke sind, ich hier nichts verschönern oder übertreiben möchte und einfach nur beschreiben möchte, was hier so passiert. Generell fühlen Bianca und ich uns in unserem Viertel mehr als wohl und das war auch das erste Mal, dass ein Vorfall dieser Art war. Als wir zu unserer Bushaltestelle, der Mascota gelaufen sind, waren mehr Jugendliche als sonst auf den Straßen, was wahrscheinlich dem Samstagabend zuzuweisen ist. Jedenfalls standen auch vor und in der Mascota sehr viele Jugendliche, als Bianca und ich hineingingen. Plötzlich fingen manche der Jugendliche an, einfach los über die Straße zu rennen, auch wenn es eine riesige Straße ist und fingen an, seitlich in die höhergelegten Eingänge der Mascota reinzuspringen und laute Sachen zu rufen. Bianca und ich wissen beide nicht, um was es bei diesem Vorfall ging und es war auch wirklich nicht sonderlich dramatisch, ich möchte es nur beschreiben! Jedenfalls fingen die Jugendlichen in der Mascota auch an, Sachen zu rufen und ein Securitymann ging dazwischen, hatte aber gegen die vielen Jugendlichen, vorallem da immer mehr kamen, nicht wirklich eine Chance. Jedoch holte er recht schnell Verstärkung und innerhalb weniger Minuten kam dann auch die Polizei und löste die Menschenmasse auf. Bianca und ich standen etwas abseits und hatten absolut nichts damit zu tun, genauso wenig wie wir wissen, worum es dabei ging, dies soll einfach nur eine subjektive Schilderung des Vorfalls sein und nochmal zur Betonung, Bianca und ich fühlen uns hier wohl und hatten bisher keinen Grund zur Sorge, dass es hier unsicher sein könnte.

Abends fuhren wir dann auch mit einem Taxi und das war auch eine recht lustige Geschichte, da Bianca und ich immer versuchen, registrierte Taxis zu nehmen, da viele der Taxis hier nicht registriert sind. Also haben wir ziemlich lange nach einem mit einer Plakette gesucht und sind dann eingestiegen. Jedoch schon nach dem ersten Satz des Taxifahrers merkten wir, dass es sich eher doch nicht um ein registriertes Taxi handelte, da er uns 15 Dollar für einen Weg abzocken wollte, der normalerweise 5 Dollar kostet. Bianca und ich ließen das aber nicht mit uns machen und sind einfach wieder ausgestiegen und haben uns ein anderes Taxi gerufen!

Heute Morgen haben Bianca und ich ausgeschlafen, da wir gestern Abend ja noch ein bisschen unterwegs waren und haben dann ganz entspannt gefrühstückt. Nachher kommen wahrscheinlich Luca und Leonie noch zu Besuch und wir wollen einen Filmenachmittag machen. Viele liebe Grüße aus dem wunderschönen Ecuador, Mindo war wirklich beeindruckend und wunderschön! Bis bald!

PS: ein paar weitere Bilder aus Mindo folgen noch!


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