Dies und Das

Dieses mal ein Blogeintrag der anderen Sorte, ich möchte einfach mal ein paar generelle Sachen beschreiben, daher mal wieder der Hinweis, dass das alles wirklich nur meine persönlichen Gedanken und Eindrücke sind!

Aber zuerst ein generelles kurzes Update: In der Schule läuft soweit alles gut, der Alltag bürgert sich so langsam ein bisschen ein, die Klassen kennen inzwischen alle meinen Namen (ich noch nicht die Namen aller Kinder, aber das ist auch in Ordnung glaube ich, schließlich habe ich 17 verschiedene Klassen und ich bin schließlich fleißig am Namen lernen) und ich bin nicht mehr jeden Tag mittags überfordert bei dem Gedanken, Unterricht für die Klassen vorbereiten zu müssen. Das einzige Manko, das mich zurzeit hier wirklich noch stört, ist, dass die Absprache mit den beiden Englischlehrerinnen an der Schule wirklich nicht gut klappt, eigentlich haben wir uns die letzten vier Wochen nicht mehr mit ihnen unterhalten und das erschwert es für uns erheblich, Unterricht vorzubereiten. Aber jetzt diese Woche treffen wir uns hoffentlich wieder mit ihnen, danach passt das bestimmt auch wieder! Und wir müssen inzwischen sogar Beurteilungen über die Schüler abgeben, ob diese gut mitarbeiten und so, das macht mir auch noch ein bisschen zu schaffen. Die Leute in der Schule sind wie immer super nett und freuen sich auch wirklich darüber, dass wir da sind und mit den Kindern arbeiten – das freut einen natürlich dann auch, wenn man merkt, dass man gern im Projekt gesehen ist! Auch mit einigen Eltern der Kinder habe ich mich schon unterhalten, diese haben auch unheimlich interessiert an Englisch und Deutschland gewirkt, das hat mich sehr positiv überrascht. Die letzten Wochenenden waren recht unspektakulär, wir hatten Besuch von Martin aus Otavalo, waren abends ein bisschen unterwegs und haben ein bisschen entspannt, da die letzten Wochen doch eher aufregend waren. Mit meinem ecuadorianischen Handy habe ich mich inzwischen auch angefreundet, bald bin ich aber wie es aussieht auch wieder über meine deutsche Nummer erreichbar (Danke Mummy und Daddy!). Dieses Wochenende war dann Lana aus Macas zu Besuch, es war wirklich interessant mal ein bisschen was von ihrem Projekt zu hören – Lana arbeitet in einer Schule für Kinder mit körperlichen Einschränkungen, es scheint ihr sehr Spaß zu machen, natürlich ist es auch sehr anstrengend, aber sie wirkt durchaus zufrieden mit dem Projekt.

Aber jetzt zum eigentlichen Blogbeitrag. Ich möchte einfach mal einige generelle Sachen erzählen, wie sie bisher (nach 2 Monaten) sind, das alles wird sich natürlich im Laufe des Jahres ändern, das sind nur meine bisherigen Eindrücke, die ich mit euch teilen will:

Ein ganz durchschnittlicher Tagesablauf (wurde schon mehrmals danach gefragt):

Morgens stehen Bianca und ich je nachdem ob wir früh (7 Uhr) oder spät (8.35 Uhr) Unterricht haben, entweder sehr früh oder früh auf und duschen mehr oder minder kalt. Dann gehen wir rüber in die Nachbarwohnung und frühstücken erstmal richtig groß. Croissant mit Butter und Käse, heißer Kaba, Joghurt mit Keksen drin und manchmal ein Ei. Die Familie ist da aber auch einfach zu süß und stellt uns jede Menge Essen bereit. Danach spülen wir abwechselnd ab, laufen zur „Mascota“, fahren in einem völlig überfüllten Bus zur Schule. Dann sitzen wir meistens 20 Minuten in der viel zu heißen Sonne und haben dann Unterricht. Die meisten Tage 5 Stunden, manchmal nur 4 oder 6. Um 10 Uhr ist Pause, da treffen Bianca und ich uns auf dem Schulhof, meistens sitzen wir umringt von Kindern, ab und an bekomme ich meine Haare frisiert und essen Obst. Danach die restlichen Stunden, dann um 13 Uhr Mittagessen in der Kantine (immer sehr lecker und zu viel). Montags, Donnerstags und Freitags fahren wir danach mit dem Bus heim. Dienstags haben wir Yoga bis halb vier, Mittwochs Chor. Mittags sitzen wir erstmal ein bisschen erschöpft auf dem Bett und rappeln uns dann so nach einer Stunde auf, um den Unterricht für den nächsten Tag vorzubereiten. Laute Musik wird angemacht, wir sitzen nebeneinander auf den Betten, Blätter und Flashcards über das Bett ausgebreitet und bereiten vor. Basteln handgemalte Arbeitsblätter, malen Plakate und Flashcards. Danach der fast tägliche Gang zum Copyshop die Straße runter – die unheimlich netten Verkäufer kennen uns schon und machen uns Freundschaftspreise. Danach wieder nach Hause, fertig vorbereiten (das nimmt meistens so ein bis zwei Stunden ein) und dann gehen wir nach unten in die Küche zum Essen. Bianca und ich essen abends alleine, das Essen steht in großen Töpfen auf dem Herd und wir können uns einfach nehmen. Die abendliche Tomate natürlich nicht vergessen und meistens danach noch Obst. Dann geht’s zurück ins Zimmer und wir hören entweder Musik und schreiben Tagebuch oder schauen ein bisschen eine Serie. Dann geht’s meistens so um 21 Uhr rum schlafen. Joa, das war so der typische Tagesablauf unter der Woche.

Die Familie:

Ja, ich traue mich endlich mal daran, die Familienverhältnisse ein bisschen zu erklären. In den anfänglichen Blogbeiträgen habe ich ja schon ein paar mal erwähnt, dass hier einige Leute wohnen und wir das alles noch nicht so genau durchschaut haben. Habe ich auch immer noch nicht hundertprozentig, aber zumindest die engsten Familienmitglieder kenne ich inzwischen. Also Bianca und ich teilen uns ein Zimmer in der Wohnung von Patricio und Marithza, das sind unsere Gasteltern. Die beiden sind ultra lieb und letztes Wochenende waren wir zum Beispiel mit ihnen Essen und auf dem Panecillo, die beiden sind wirklich wie super süße Eltern. Die beiden haben eine Tochter, Valeria, die ist wie ja schonmal erwähnt zurzeit in Deutschland und im Prinzip unsere Gastschwester. Sie wohnt ein Stockwerk über uns. Die andere Tochter von Marithza und Patricio heißt Gaby und hat wiederum eine Tochter, Dome, die haben wir ganz am Anfang kennengelernt (Dome hatte Geburtstag) und die beiden wohnen aber in den USA und kommen nur ab und an zu Besuch. Marithza und Vale sind beide auch Lehrerinnen im INEPE und Patricio arbeitet in einer Farmacia. In der Nachbarwohnung (in der, in der wir frühstücken) wohnen Lilly, Marithzas Schwester, ihr Mann Patricio (der Schulleiter) und die Mutter von Lilly und Marithza, Inecita. Sie sind auch alle mehr als herzlich und süß und im Prinzip auch alles unsere Gasteltern. In der Wohnung über Lilly und Patricio wohnt Andre, ihre Tochter und unsere Projektkoordinatorin. Von dieser Frau bin ich übrigens absolut begeistert. Ich habe selten so eine beeindruckende Frau kennengelernt. Andre ist auch die Chorleiterin und hat eine Tochter, Simone. Simone ist sechs Jahre alt und bei mir in der dritten Klasse. Andre, Lilly und Patricio arbeiten auch im INEPE. Also zusammengefasst arbeitet eigentlich die ganze Familie dort. Unten drunter wohnen auch nochmal Familienangehörige, gegenüber und eine Straße weiter auch, die Verhältnisse habe ich aber noch nicht hundertprozentig durchschaut. Achso und nebenan wird auch für Familienangehörige gerade ein Haus gebaut! Großfamilie eben… Mit der Familie bin ich unheimlich glücklich und könnte mir keinen besseren Platz vorstellen!

Das Großstadtleben:

Also ich vermisse mein kleines deutsches Dörfchen in manchen Aspekten. Aber Quito ist eine mehr als wunderschöne Stadt und ich bin unheimlich glücklich darüber, die Chance zu haben, hier für ein Jahr zu leben. Die Altstadt ist wirklich unglaublich und auch obwohl ich fast jede Woche mindestens einmal dort bin, kann ich mich an den alten Gebäuden noch nicht sattsehen! Jedes Mal entdeckt man im wuseligen Zentrum von Quito auch neue Dinge. Die Straßenverkäufer die überall rumbrüllen, die Straßenkünstler, die Menschenmassen (besonders Sonntags) um sich versammeln und bei denen ich meistens kein Wort verstehe, die Polizisten die besonders im Zentrum überall in ihren blauen Uniformen herumlaufen. Das einzige mit dem ich mich bisher wirklich nicht anfreunden kann, sind die vielen Schuhputzenden Kinder, die besonders mich häufig ansprechen, ob sie meine Schuhe putzen dürfen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich blonde Haare habe, was wiederum eindeutig bedeutet, dass ich nicht von hier bin, was wahrscheinlich (für diese Kinder) mit wohlhabend gleichgestellt wird (nur eine Vermutung!). Ich weiß natürlich nicht die Hintergrundgeschichte dieser Kinder, aber der Anblick ihrer häufig dreckverschmutzten Gesichter mit den Schuhputzkoffern in der Hand reicht mir, dass ich nicht damit umgehen kann. Ich bin da vielleicht auch etwas überempfindlich, aber ich mag den Gedanken nicht, dass Kinder, aus welchen Verhältnissen auch immer sie kommen, Geld verdienen müssen, indem sie fremde Leute auf der Straße ansprechen um ihre Schuhe zu putzen. Besonders schlimm wird es für mich, wenn die Kinder auf mein erstmaliges „No, gracias“ nicht reagieren und immer weiterfragen. Das muss ich wahrscheinlich im Laufe des Jahres noch ein bisschen üben, ob es mir gefällt oder nicht. In manchen Aspekten merkt man halt doch, dass es hier durchaus sehr arme Menschen gibt, deutlich öfter, als ich bisher in meinem ganzen Leben in Deutschland damit konfrontiert wurde. Auch Bettler gibt es hier häufiger am Straßenrand, was aber wahrscheinlich auch der Centro Historico Ecke zuzuordnen ist, es ist eben das Altstadtviertel einer Millionenstadt. Auch in der Schule wurde ich schon mehr als einmal gefragt, warum ich blonde Haare und blaue Augen habe und ob ich deswegen reich sei. Solche Fragen machen mir persönlich mittags manchmal etwas zu schaffen, da sie so einfach und offen gefragt sind und die Kinder nichts als eine ehrliche Antwort erwarten… Auch die entgegengesetzte Frage, ob wir uns es nicht leisten könnten, zuhause zu Mittag zu essen, da wir in der Cafeteria essen, hat mich traurig gemacht. Bedeutet das im Umkehrschluss, dass die Kinder die uns das gefragt haben und jeden Mittag mit uns in der Cafeteria essen, sich das essen zuhause nicht leisten können? Aber zurück zum Großstadtleben generell. Also so langsam werden Bianca und ich Profis darin, die Straßen ohne Ampeln zu überqueren, die Abgase der Busse lassen uns nicht mehr jedes Mal husten, die Menschenmassen in den Bussen und den Straßen sind zwar noch sehr ungewohnt aber etwas Alltägliches. Taxis sieht man hier überall, so gefühlt mehr nicht registrierte als registrierte, aber mit ein bisschen handeln funktionieren auch Taxifahrten inzwischen ganz gut. Wir bekommen inzwischen Routine im Bus fahren, im Centro finden wir uns schon ein bisschen zurecht (Bianca besser als ich, ihr wisst ja, mein furchtbarer Orientierungssinn) und auch Mariscal (das moderne Stadtviertel) haben wir schon ein bisschen erforscht. Für eine Großstadt ist Quito generell sehr grün, besonders da drum herum ja die riesigen Berge und Vulkane sind, sodass es zumindest auf keinen Fall grau und trist ist, wie manche andere Großstädte. Unser Viertel ist eher im Süden von Quito, es ist eindeutig anders als das Altstadtviertel, ich habe ja schonmal erwähnt, dass manche Häuser hier keine Dächer im westlichen Sinne haben, oft hängt die Wäsche auf dem obersten Stockwerk, Glasscherben sollen Vögel und unerwünschte Gäste abwehren, Graffitis zeichnen die hohen Mauern, Stromkabel hängen relativ tief und sehen anders aus als bei uns, ich habe mich aber inzwischen sehr in unser Viertel verliebt, vor allem da man besonders in der Seitenstraße, in der wir wohnen, vergessen kann, dass man in einer riesigen Stadt lebt und auch die Luft besser als an den Hauptstraßen ist. Je weiter man den Berg hoch in Richtung unserer Schule und unseres Projektes fährt, umso grüner wird alles, umso simpler werden dafür aber auch die Häuser, mehr Straßenhunde sitzen auf der Straße. Auch auf dem Schulgelände sind Hunde oft gesichtet, ab und an machen sie es sich während dem Unterricht auch mal im Klassenzimmer bequem, bis ein Schüler sie rausscheucht (ich bin da ganz furchtbar drin). Die Hunde generell sind hier ein riesiges Thema zwischen Bianca und mir. Unsere Familie hat auch einen unheimlich lieben Hund, Catcho heißt er, er ist wirklich brav, hat aber unserer Meinung nach auch viel zu wenig Auslauf. Genauso sitzen auf dem Nachbardach immer zwei Huskys, die dann gerne mal die ganze Nachbarschaft zusammenbellen. Tolle Hunde, aber ich würde sie am liebsten fünf mal am Tag Gassi führen, damit sie aufhören so viel zu bellen, denn fast jede Nacht werden wir mindestens einmal von Hundegebell geweckt. Auch wenn ich das stille Leben in meiner winzigen Nachbarschaft in Deutschland liebe, so ist das Großstadtleben doch auf jeden Fall bisher sehr spannend und ich bin auch auf die Zukunft gespannt!

Woran man merkt, dass man schon eine Weile hier ist und noch eine Weile bleiben wird:

Meine erste Zahnpasta ist leer, also haben wir neue gekauft, gleich mal drei, schließlich sind wir noch eine Weile hier. Wir kaufen regelmäßig Taschentücher und Klopapier ein, das zeigt einfach, dass wir hier wohnen. Wir machen Pläne für in einem Monat und für Weihnachten und für nächsten Sommer. Ich musste mich darum kümmern, alles wegen meinem geklauten Handy zu klären, was aus dem Ausland wie immer anspruchsvoller ist, als gedacht. Wir haben schon beschlossen, uns neue Socken kaufen zu müssen, da sie hier doch etwas leiden. Tolle Cappys haben wir inzwischen auch, die Sonne ist hier manchmal einfach zu krass, selbst mit 50er Sonnencreme hat man das Gefühl, dass man am Ende vom Tag Sonnenbrand hat.

Wie es mit meinem Spanisch läuft:

Also, wie manche von euch vielleicht wissen, konnte ich bevor ich hier hergekommen bin in etwa drei Sätze sagen und ein paar leichte Vokabeln. Inzwischen ist das schon lange nicht mehr so. Ein Profi bin ich natürlich noch nicht und muss noch häufig fragen, ob Leute etwas bitte wiederholen oder erklären können, aber ich kann schon einigermaßen anständige Konversationen führen, solange sie sich um Schule oder Privatleben drehen und nicht in der Vergangenheit sind (die Formen habe ich wirklich noch nicht durchschaut). Mit den Kindern klappt es inzwischen wirklich gut, Klassenzimmervokabeln habe ich drauf und auch mit der Familie kann ich kurze Konversationen führen, die meistens mit tausend Korrekturen ihrerseits enden, was ja aber nur von Vorteil für mich ist. Generell könnte das Spanisch natürlich schon besser sein, es ist ein bisschen schade, dass wir eigentlich relativ wenig Spanisch reden (die Familie lebt manchmal ein bisschen separat von uns, aber nicht im negativen Sinne), da wir in der Schule eben auch möglichst viel Englisch mit den Kindern reden sollen, aber es wird auf jeden Fall jeden Tag besser und ich bin auch positiv in der Annahme, dass ich am Ende vom Jahr einiges können werde. Und das tägliche „Buenas Dias“ meinerseits sorgt auch immer für Lacher, da ich mir einfach nicht angewöhnen kann, ab zwölf Uhr „Buenas Tardes“ zu sagen, wodurch ich immer komisch angeschaut werde, was für Lachanfälle bei Bianca und mir sorgt. Aber ich arbeite daran, am Ende vom Jahr schaffe ich „Buenas Tardes“.

 

So, das waren jetzt mal einige Eindrücke meinerseits, ich werde sie bestimmt im Laufe der nächsten 10 Monate ergänzen und verändern können, ich freue mich auf die nächste Zeit – zurzeit machen wir auch ein paar Pläne, um mal etwas weiter wegzufahren! Wir wollen bald an die Küste, dann fahren wir in drei Wochen nach Ibarra um die liebe Alicia und Paula zu besuchen (freue mich schon sehr darauf) und weitere Pläne sind in Aussicht. Bald kommen auch Kurzzeitfreiwillige ins Projekt, mit denen verbringen wir bestimmt auch etwas Zeit!


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