No te vayas, Compa Anni!!

Das ist wahrscheinlich der Satz, den ich im letzten Monat am öftesten und in den
verschiedensten Varianten gehört habe. Ich weiß, ich weiß, du denkst dir jetzt
vielleicht: Hä, Anni kommt doch erst Ende August zurück, warum hört sie den
Satz jetzt schon so oft? Korrekt, ich komme erst Ende August aus Ecuador zurück,
aber das Schuljahr am INEPE ist seit letzter Woche offiziell um, sodass nicht ich
die bin, die jetzt schon geht, sondern die Schüler eben schon Ferien haben,
sodass ich einen Großteil der Schüler auch bis ich gehe nicht mehr wieder sehen
werde. Ich glaube, wer mich kennt, kann sich jetzt schon denken, wie daher die
letzten paar Wochen in der Schule gelaufen sind. Irgendwo zwischen Lachen,
verwirrt sein (weil wir wie immer nicht genau wussten, was abgeht und wann wir
trotz der Examen mit welcher Klasse Unterricht hatten), Langeweile (da wir
plötzlich deutlich weniger zu tun hatten als zuvor) und Tränen (muss ich wohl nicht erklären) haben sowohl Bianca als auch ich es aber geschafft uns von den Schülern zu verabschieden. Und ich muss sagen, ich bin so froh, jeden einzelnen meiner Schüler kennengelernt zu haben, denn auch wenn man im Laufe des Jahres klar einige besser kennengelernt hat als andere, so war doch jedes einzelne dieser Kinder und Jugendlichen für
den Verlauf meines Schuljahres mitverantwortlich und der war wirklich
wunderschön! (Lieber Leser, bitte verzeih mir für diesen kitschigen Absatz!)
Aber daher fiel es mir auch ziemlich schwer, mich von den Klassen zu
verabschieden. Ich hatte Kuchen und Pfannkuchen für meine Klassen mitgebracht,
was bei den Jüngeren für Gekreische und für Umarmungen unter Tränen gesorgt
hat, bei den Älteren mir je nach Klasse Applaus, anerkennendes Nicken oder auch
Umarmungen gebracht hat. Wer die Klassen nicht kennt, versteht wahrscheinlich
nicht, wie viel das für mich bedeutet hat, aber da es je nach Klasse über das
Jahr hinweg doch ein bisschen ein Kampf war, den Schülern Englisch nahe zu
legen, so war es für mich ein riesiger Erfolg, (ob sie Englisch nun mochten oder
eben nicht) mich auf menschlicher Ebene mit ihnen „anfreunden“ zu können. Letzte
Fotos wurden geschossen, bei den Älteren Klassen Abschiedsreden gehalten, die
Jüngeren fingen im Chor an zu kreischen: „No te vayas, compa Anni“ und inmitten
des ganzen Gewirrs stand da ich, ein blondes, deutsches Mädel – die Gringa – die
hier doch eigentlich eh nur für ein Jahr hersollte und dachte sich: Oh *******,
ich will bleiben.

Aber ich wusste ja von vornherein, dass meine Zeit mit den Schülern nur begrenzt
ist, was auch gut so ist, denn würde ich länger bleiben, könnte ich
wahrscheinlich nie wieder gehen – falls das irgendwie Sinn macht. Auf jeden Fall
bin ich so froh und dankbar für die Zeit mit den Schülern und habe immerhin
auch sehr viele gebastelte Abschiedsgeschenke bekommen, die mich an die Schüler
erinnern werden. Seit dem letzten Wochenende jedenfalls haben die Schüler jetzt
Ferien, was aber nicht Ferien für Bianca und mich bedeutet, wie man das
vielleicht denken könnte. Die Kinder aus dem Centro Infantil sind noch eine
Woche länger geblieben, sodass wir auch diese Woche mit ihnen noch Unterricht
hatten und uns auch von den ganz Kleinen gestern verabschieden mussten. Die
Compas aus dem Centro Infantil waren einfach zu süß, zum Abschied haben sie uns
eine Party geschmissen, mit Kuchen, den Kindern und allem drum und dran – die
Kinder können sich wirklich glücklich schätzen, so tolle Betreuerinnen zu
haben. Ansonsten hatten Bianca und ich die letzte Woche erstmal nicht ganz so
viel zu tun, wir haben ein bisschen Übersetzungsarbeit für die Paten aus
Deutschland geleistet (man kann Patenschaften für INEPE-Kinder übernehmen, die
sich die Schule sonst nicht leisten könnten, wer Interesse daran hat – ist ein
wirklich cooles Projekt und ich kenne jedes einzelne Kind persönlich- kann sich
da gerne bei mir melden!!!) und haben uns eine Beschäftigung gesucht für die
nächsten zwei Monate, die wir neben dem Ferienprogramm wo wir auch aushelfen
werden, machen können: Wir bemalen eine 3×18 Meter Wand am Colegio, dem Teil
der Schule wo die 8.-13. Klässler Unterricht haben. Daher haben wir letzte Woche
aus unseren verbliebenen Klamotten (es werden immer weniger) nochmal welche
ausgesucht die wir opfern können und haben angefangen, die riesige Wand weiß zu
streichen. Ich hatte an manchen Tagen das Gefühl, mehr Farbe in meinem Gesicht, als an die Wand gebracht zu haben, aber immerhin ist sie jetzt komplett
weiß.
Unser Design (wenn wir fertig sind lade ich Fotos davon hoch) wurde von der
Schulleitung schon akzeptiert, das heißt ab Montag malen wir alles vor und dann
gehts ans ausmalen, wo vielleicht ein paar der Kinder aus dem Barrio helfen
werden, ich freue mich richtig darauf!

So weit mal zu unserem Schulleben, ich möchte jetzt noch von ein paar anderen
Dingen erzählen, die in letzter Zeit so waren.

Unsere Gastfamilie war, wie ich vielleicht schon erzählt hatte, jetzt einen
Monat lang in Europa, da in Barcelona ein Meeting zu unserer Schulphilosophie war
und von dort aus haben sie dann noch ein paar Wochen reisen drangehängt. Es war
das erste Mal, dass unsere Gastfamilie in Europa war und sie sind vorgestern
zurückgekommen. Als sie von ihren Erfahrungen berichtet haben, ist mir mal
wieder aufgefallen, wie jeder Mensch Sachen mit anderen Augen sieht, da sie
Sachen erzählt haben, die ich aus den Ländern in Europa, in denen ich schon
war, gar nicht so wahrgenommen hatte, das war wirklich interessant aber auch ein
bisschen schockierend zu hören, wie anders ich Sachen wahrnehme als sie. Daher
bin ich wirklich gespannt wie das beim Zurückkommen nach Deutschland sein
wird… Ob ich manche Dinge anders wahrnehmen werde, als ich das bisher immer
getan habe, oder ob es eben doch noch das Deutschland ist, wie ich es von davor
kannte. Aber davon kann ich erst berichten, wenn ich wieder zuhause bin.

Ansonsten waren wir seit dem letzten Blogbeitrag natürlich auch wieder ein
bisschen unterwegs. Wir haben es nach fast 10 Monaten auch mal an den berühmten
Quilotoa geschafft, eine wunderschöne Vulkankraterlagune. Freitag abends sind
wir nach Latacunga gefahren, wo wir uns mit Jacob und Maja treffen wollten, da
wir seit dem Zwischenseminar gesagt hatten, dass wir diese Wanderung zu viert
gemeinsam machen wollten. Jedenfalls kamen Bianca und ich, da wir deutlich näher
an Latacunga wohnen als die anderen zwei, viel früher an, haben uns ein süßes
Hostel gesucht und waren abends dann Pizza essen (auf das Essen freue ich mich
-abgesehen von meiner Familie und Freunden natürlich 😉 – glaube ich echt am
meisten, wenn ich in weniger als zwei Monaten, wow wo ist die Zeit hin, wieder
heimkomme). Dann sind wir, da wir schon der Schulwoche sehr müde waren, direkt
ins Hostel und lagen da eigentlich nur halbtot in den Betten rum und haben Jacob
(sorry dafür) ein bisschen verflucht, da er so lang brauchte und wir deswegen
wach bleiben mussten. Irgendwann kam er dann aber auch an -Maja hatte sich dazu
entschieden lieber über Nacht zu fahren und am nächsten Morgen anzukommen – und
wir konnten endlich schlafen gehen (Bianca hat da eigentlich schon geschlafen, nur ich war noch wach!) Sorry Jacob, war nichts persönliches ;).
Am nächsten Morgen kam Maja dann früh an, wir zogen uns so dick an, wie glaub
ich noch das ganze Jahr nicht und sind los mit einem Bus zum Quilotoa.
Dort kamen wir dann irgendwann auch an und teilten uns dann noch mit ein paar
ziemlich coolen Studenten aus Cuenca (der Stadt, in der wir nach Weihnachten
waren) eine Camionetta bis zum Vulkan. Jacob und ich saßen hinten drauf, Bianca
und Maja saßen aufgrund der Kälte im Fahrerhäuschen und wir haben uns beim
eisigen Fahrtwind mit ein paar von den Studenten unterhalten, der eine lernt
sogar deutsch!
Als wir beim Quilotoa dann tatsächlich ankamen, frühstückten wir erstmal und
machten uns dann auf die Wanderung nach unten. Man muss es sich so vorstellen,
man kam oben am Rand des Vulkankraters an, vor einem ein wunderschöner
türkisfarbener See, der je nach Sonneneinstrahlung (ja wir hatten tatsächlich
ausnahmsweise mal Sonne!) grün oder blau war – so wunderschön! Und dann konnte
man sich entscheiden ob man lieber einen 5-stündigen Rundgang oben außenrum
läuft, auf über 4000 Meter Höhe, oder lieber nach unten läuft, Kayak fährt
und danach den Weg wieder hochläuft. Wir haben uns für den Weg nach unten
entschieden, da wir Lust auf Kayak fahren hatten und allein der „Runterweg“ war
aber schon deutlich anstrengender, als wir das erwartet hatten. Unten waren wir
dann Kayakfahren, das war wirklich lustig, vorallem da Jacobs Kayak undicht war
und ihn das ein bisschen aufgeregt hat – im Endeffekt war das aber kein Ding, wir
hatten jede Menge Spaß. Doch dann kam der Aufstieg und das Lachen verging uns da
ein bisschen. Wir hatten zwar erwartet, dass es auf der Höhe anstrengend sein
würde, aber die Sonne hat dann auch noch sehr geschienen und daher mussten wir
sehr oft Pausen machen, die wir dafür genutzt haben, Karten zu spielen, sodass
es auch wieder lustig war. Nach ein paar Stunden Schnappatmung kamen wir dann
sehr erschöpft oben wieder an und hatten sehr Hunger, sodass wir erstmal etwas
essen waren. Die Wanderung war wunderschön, an jeden, der mal vorhat nach
Ecuador zu gehen: Der Quilotoa ist ein muss!
Am nächsten Morgen fuhren wir dann wieder zurück nach Quito und Maja und Jacob
zurück in den Dschungel – es war ein sehr cooles Wochenende!

Außerdem waren wir auf Empfehlung der 13. Klässler hin, die nächste
Woche auch schon Graduation haben, im Parque de la Carolina, ein Park im Norden
von Quito. Als wir dort ankamen, dachten wir erstmal wir seien in einem anderen
Universum gelandet. Ich meine, der Norden ist sowieso in vielen Aspekten anders
als der Süden von Quito, aber so sehr wie an diesem Tag ist mir das zuvor noch
nie aufgefallen. Dort waren um den Park herum einfach richtig riesige
Hochhäuser, wie man sie im Süden nirgendwo findet, alles frisch geputzt, keine
Straßenhunde (nicht einer!!!), kaum Müll auf dem Boden und es gab tatsächlich
Mülleimer! Klingt vielleicht komisch, dass mich das so entsetzt, aber in dem
Barrio wo ich wohne, ist der Boden immer bedeckt mit Müll, wahrscheinlich auch
darauf zurückzuführen, dass es eigentlich nur in den Haltestellen Mülleimer
gibt und sonst fast nirgendwo. Im Park wurde unser Staunen dann nicht weniger, es
gab so viele Sportplätze, alle fast identisch einfach hintereinander gebaut, wo
jede Menge Leute am spielen waren. Und man hat tatsächlich auch Jugendliche
gesehen, die in unserem Alter hätten sein können, was man bei uns im Barrio,
abgesehen von den 13. Klässlern auch so gut wie nicht findet. Spielplätze neben
Sportplätzen, Leute am Basketball, Fußball und Handball spielen, Leute mit
Fahrrädern und einfach im Gras sitzend mit Essen in der Hand. Ich kam mir
wirklich vor wie in einem Paralleluniversum. Als wir weiter durch den Park
gelaufen sind, fanden wir sogar noch eine künstlich angelegte Lagune auf der man
Tretboot fahren konnten, Leute die Pyramiden (wie beim Cheerleading) geübt haben
und auf Slaglines balancierende Personen. Bianca und ich haben uns dann eine
Empanada geholt und uns in die Mitte der Lagune auf einen Platz aus Gras gesetzt.
Es war ein wirklich entspannter Nachmittag und ich kann 100% verstehen, warum die
Jugendlichen von unserer Schule gerne in diesen Park fahren, man kann ohne etwas
zu bezahlen sehr viele verschiedene Sportarten machen, ziemlich cool!
Hust Hust, schade, dass Bianca und ich in diesem Jahr so faul geworden sind, aber
war auch okay im Gras zu liegen und die Sonne ein bisschen zu genießen ;).

Und letztes Wochenende waren wir dann auch noch bei den Thermalquellen
Papallacta, das sind natürliche heiße Quellen, die in ein großes Thermalbad
ausgebaut sind. Dort haben wir uns mit Paula und Alicia getroffen, es war auch
echt schön, die beiden mal wieder zu sehen und zu hören, wie es ihnen zurzeit
so geht. Ich glaube bei den meisten Freiwilligen kommt so langsam die
Aufbruchsstimmung, beziehungsweise die Realisation, dass es bald Zeit ist
heimzugehen. Einerseits will ich auf keinen Fall gehen, ich will die Kinder alle
am liebsten wiedersehen und weiterarbeiten am Inepe, andererseits weiß ich, dass
jetzt dann auch der Zeitpunkt gekommen ist, noch einige letzte Dinge am Inepe zu
machen, wie im Ferienprogramm zu helfen und die Wand zu streichen, es aber auch
Zeit ist wieder „heim“zukommen (was nicht mehr das richtige Wort ist, hier ist
auch mein „Daheim“) und neue Dinge zu machen. Komisch dieses Gefühl. Jedenfalls
war es in Papallacta cool, die Thermen waren echt heiß und entspannend, vorallem
war es auch der richtige Zeitpunkt nach dem letzten Schultag dahin zu gehen, um den
Kopf ein bisschen freizubekommen.

Und joa, das wars auch schon zu meinen letzten Wochen glaube ich, abgesehen von
dem Ende des Schuljahres und den Ausflügen ist nicht sonderlich viel passiert.
Achso, wir wollten es nochmal versuchen in den Präsidentenpalast zu gehen, was
wir ja seit der 1. Woche hier immer mal wieder versucht haben. Ich habe so
langsam das Gefühl, dass es einfach nicht sein soll, jedes mal hat es nicht
geklappt und dieses Mal sogar aus einem richtigen Grund nicht: Aufgrund der
Grenzprobleme, die es seit einer Weile wieder verstärkt mit Kolumbien gibt
(keine Sorge, arg viel bekommt man davon nicht mit), werden zurzeit keine
Besucher mehr in den Palast gelassen. Mal sehen, ob sich das nochmal ändert, bis
wir gehen – eigentlich wollte ich so langsam auch einfach nur noch aus Prinzip
rein, da es jedes Mal nicht geklappt hat.
Ah und das Fußballturnier der Schule haben wir tatsächlich auch bis zum Ende
überlebt, ich lag zwar ein paar Mal auf dem Boden, die Schüler hats aber
gefreut, dass ich mitgespielt habe! 😀

Den Blogbeitrag übers INEPE an sich hab ich nicht vergessen, ich schiebe ihn nur
erfolgreich seit langer Zeit vor mir her, so Angewohnheiten ändern sich leider
auch am anderen Ende der Welt nicht – irgendwann kommt der aber wirklich noch!
Eigentlich sollte man doch meinen, dass Bianca und ich jetzt mit dem Ende des
Schuljahres genug Zeit und Energie hätten uns endlich um ein paar
Organisatorische Dinge zu kümmern, unter anderem auch Wohnungssuche fürs
Studium, irgendwie bekommen wir aber nicht mehr auf die Reihe als davor – ups :D!

Aber nächsten Freitag gehts erstmal für Urlaub eine Woche nach Galapagos, ich
hoffe dort schöpfen wir nochmal neue Energie für die letzten Wochen.
Tausend Grüße aus dem in letzter Zeit eigentlich sonnigem, heute aber wieder
regnerischem Quito!
Eure Anni


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